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Wörgl ist zwar erst seit
fünf Jahrzehnten Stadt, aber doch drei Jahrtausende alt! Seit so langer
Zeit bedeutet der Wörgler Boden Menschen der verschiedensten Völker und
Kulturen Heimat. In und um Wörgl gibt der Boden immer wieder große
Flächenfunde frei, die eine Besiedlung zurück bis in die frühe Eisenzeit
in so reichem Umfang dokumentieren, dass dieser Raum als der
umfassendste prähistorische Grabungsplatz Nordtirols anzusehen ist (Grattenbergl,
Egerndorfer Feld, Wimpissinger-Schottergrube). Ein Anziehungspunkt lag
in den erst jüngst nachgewiesenen Erzabbauten des Schwazer Dolomits,
doch sicher gab auch die Verkehrslage (Weg von den Kupfergruben um
Kitzbühel zum Inntal) den Anreiz zum Entstehen dieser Siedlungen.
Römisches Wörgl? Vergilianum? Noch irren Sprach- und
Heimatforscher durch das Gestrüpp der Sprachwurzeln und Wortstämme, um
der Bedeutung des seltenen Namens auf die Spur zu kommen (erste
urkundliche Nennung 1120). Tatsache ist, die römische
Provinzialverwaltung war lange im Wörgler Raum zu Hause und noch in den
Flurkarten der Jahre vor dem Bahnbau zeigen manche Grundstücke jene
Quadratform und Größe, wie sie vom römischen Ackermaß her bekannt sind;
1842 kamen im Anger des Unterkrumbacherhofes Reste eines römischen
Landhauses zum Vorschein. Im späten 6. Jahrhundert drangen die Bayern
auf ihrem Zug nach dem Süden bis in Wörgler Raum vor. St. Laurentius,
der Pfarrpatron, weist auf eine vorgermanische Christianisierung hin.
Erst 1504 fiel das Land unterhalb der Zillermündung endgültig an die
Grafschaft Tirol (Eroberung der Festung Kufstein durch Kaiser
Maximilian). Im Jahre 1858 begann für Wörgl ein neues Zeitalter. In
diesem Jahr rollte das so genannte „Dampfross“ erstmals von Kufstein
nach Innsbruck, 1875 erreichte die Giselabahn von Salzburg her die
Nordtiroler Linie und machte Wörgl zum Bahnknotenpunkt. Industrie und
Zuwanderung folgten. Die kurz zuvor vereinigten Dorfgemeinden
Wörgl-Kufstein und Wörgl-Rattenberg ("entern und herentern Bach") wurden
1911 - in Anwesenheit des Kaisers - zum Markt erhoben. Trotz der
administrativen Aufteilung auf zwei Landgerichte (seit 1410) waren
ältere Gemeinsamkeiten weiterhin lebendig geblieben. Es gab wohl zwei
Dorfmeister und zwei Gemeindekassen, doch e i n e n Namen, eine
gemeinsame Kirche und eine einheitliche Wirtschaftsgemeinde. Während des
zweiten Weltkriegs lebten schon über 6000 Menschen in der vom
Bombenkrieg schwer heimgesuchten Marktgemeinde. Im Jahr 1951 wurde die
Stadterhebung gefeiert und 1991 zählte Wörgl bereits mehr als 10.000
Einwohner. Sie ist die derzeit am schnellsten wachsende Stadt Tirols und
zweifellos das Wirtschaftszentrum des Tiroler Unterlandes. Obwohl der
Tourismus – bei dieser traumhaften Kulisse keine Überraschung - in der
Tiroler Gemeinde eine immer größere Rolle spielt, ist Wörgl eigentlich
für einen ganz anderen Grund weltweit bekannt: Für Millionen Formel 1
Fans ist Wörgl schlechthin die Heimat des ehemaligen Rennstars Gerhard
Berger! |