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Die Stadt Wien deckt
ihren Trinkwasserbedarf fast zur Gänze aus
Quellwasser.
Die Quellgebiete ziehen sich vom Hochschwab im Westen, über die
Schneealpe, bis zur Rax und dem Schneeberg im Osten. Die Kalke
und Dolomite, aus denen die Alpen aufgebaut sind lösen sich durch die
Einwirkung von CO2-haltigem Wasser, so dass im Inneren des Gebirges
Hohlräume entstehen. Wenn es regnet, wird das Wasser vom
Karst wie ein
Schwamm aufgesaugt. |
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Mit
unterschiedlicher Geschwindigkeit gelangt es im Fels 1300 Höhenmeter
nach unten.
Im
Durchschnitt
ist das Wasser in den Quellen zwischen einem und 20 Jahren
alt. Die
einstigen Regentropfen haben während ihrer Reisen durch den
Fels Mineralien und Sauerstoff aufgenommen.
Insgesamt fließt nur ein geringer Anteil des Quellwassers wirklich
nach Wien. Experten schätzen diesen auf einen einstelligen
Prozentsatz des gesamten Wasser-Vorkommens in der Region.
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Eine
Nebenwirkung der Verkarstung ist deutlich zu sehen: die zum Teil
bizarren Oberflächenformen des Gesteins, Dolinen und Karren. Sie sind
Resultat der permanenten Auflösungsarbeit von Regen und Schnee. Die
Quellen werden im Berginneren gefasst und direkt in den Hauptstollen
eingeleitet. Die I. Hochquellenleitung (HQL) wurde als Ziegelmauerwerk
errichtet, ist 90 km lang und weist eine Fließzeit von Kaiserbrunn bis
Wien von rund 20 Stunden auf. Die II. HQL wurde betoniert, ist 180 km
lang und die Fließzeit beträgt 36 Stunden. |
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Das
Wasser strömt ganz ohne Pumpen und
bewältigt
einen Höheunterschied von 361 Metern.
Aufgrund dieser Höhendifferenz wird die Gravitationsenergie entlang
der Leitung zur Stromproduktion verwendet. Etwa 20.000 Haushalte
werden mit Strom aus Trinkwasser-Kraftwerken entlang der Wiener Wasserleitungen
versorgt. Insgesamt bestehen entlang der Hochquellenleitungen und in
den Quellgebieten 13 Wasserleitungskraftwerke, die rund 60 Millionen
Kilowattstunden pro Jahr produzieren. Die Wasseraufbringung der ersten Hochquellenwasserleitung liegt
bei mehr als 63 Millionen Kubikmetern, etwa 43 Prozent der gesamten
ins Wiener Wassernetz eingespeisten Menge.
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Im Vergleich dazu liefert die II. Hochquellenwasserleitung 75 Millionen
Kubikmeter, mehr als 50 Prozent. Zwei Mal pro Jahr wird jede von ihnen für
mehrere Tage zur Sanierungsarbeiten trockengelegt.
Spätestens seit dem
Bau des Schneealpenstollens, der 1974 die Sieben Quellen im Karlgraben
verfügbar machte, und der Einleitung der Pfannbauernquelle am 10. März 1989
trinkt ganz Wien Hochquellwasser. Im
Falle von Reparaturarbeiten, bei größeren Rohrgebrechen oder bei extrem hohem
Wasserverbrauch in Hitzeperioden greift Wien auf Grundwasser
zurück.
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Seit 1998
besitzt das Grundwasserwerk Moosbrunn, das an einem Ausläufer der
Mitterndorfer Senke liegt, die Betriebsbewilligung. Es verfügt
über zwei Horizontalfilterbrunnen und einen Wasserbehälter.
In den beiden Hauptspeichern in Wien Mauer - hier wurde übrigens das
letzte Wasserleitungskraftwerk 2006 eingeweiht - und am Rosenhügel,
den jeweiligen Endstationen der beiden Hochquellenwasserleitungen,
wird das Wasser gesammelt und gechlort. Der Ausgleich zwischen
dem natürlichen Vorkommen und der unterschiedlichen Nachfrage nach dem
Wasser in der Stadt gehört zu einer der zentralen Aufgabe, die in der
Lastverteilungszentrale erledigt wird. |
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Die 28 Wasserbehälter können einen Vorrat für etwa drei Tage
speichern. Zwei weitere Behälter gibt es beim Wasserwerk Moosbrunn und in
Neusiedl am Steinfeld bei der 1. HQL. Die insgesamt 30 Wasserbehälter dienen dem
Mengenausgleich und bilden eine wichtige Reserve. Von den beiden
Hauptspeichern in Mauer und am Rosenhügel, den jeweiligen Endstationen der
beiden Hochquellenwasserleitungen fließt es in die anderen Wasserbehälter. Die Wasserversorgung Wiens folgt dabei
dem „Prinzip der kommunizierenden Gefäße". |
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Das
bedeutet, dass die ersten beiden Behälter höher als die anderen liegen
und diese ohne Pumpe, befüllt werden können. Für die bis zu 480 Meter
hoch gelegenen
Behälter am Kahlen- und Leopoldsberg, Neustift, dem
Wilheminenberg oder den Steinhofgründen, müssen allerdings
Pumpen
verwendet werden.
Bei voller Leistung
transportieren die Wasserpumpen
des Behälters
Rosenhügel 260 Liter pro Sekunden die höher gelegenen
Versorgungsbehälter.
Das
Trinkwasser wird dann in das Netz der Verteilleitungen
geleitet. |
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Das Rohrnetz
in
dem das Trinkwasser zu den Verbrauchern fließt
ist in Wien
über 3200
Kilometer
lang und erreicht
mehr als
160.000 Gebäuden über ca. 100.000
Anschlussleitungen mit einer zusätzlichen Gesamtlänge von ca. 800
km.
Dort sind die
Wasserzähler
montiert. Dahinter verzweigen sich die Hausleitungen in die einzelnen
Wohnungen.
Damit
sind nahezu alle Wasserverbraucher an das öffentliche Rohrnetz
angebunden.
Die Wasserleitungen liegen in den Straßen unter den
Strom- und Telefonleitungen, mindestens einen Meter fünfzig tief, über
den Abwasserkanälen.
Das
durchschnittliche Rohrnetzalter beträgt in Wien etwa 39 Jahre, die
Durchmesser
betragen
von 50 bis
1200 mm. |
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Derzeit werden im Bereich des öffentlichen Rohrnetzes vor allem
Polyethylen
(PE)
und
Sphäroguss-Rohre
eingesetzt. Anschlussleitungen
werden überwiegend aus PE hergestellt.
Die letzten.
Bleianschlussleitungen
sollen bis spätestens
Ende 2007 erneuert sein.
Seit 1970 wird die
Netzerneuerung offensiv betrieben
und
die alten
GraugussLeitungen mit Stemmmuffen-Verbindungen nach und nach
ausgetauscht, um die Verluste von Trinkwasser wegen defekten oder
undichten Leitungen wirksam einzudämmen. |
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Eine Abteilung des
Wasserwerks ist täglich
mit
akustischen
Abhorchgeräten
auf der Suche nach undichten Stellen.
Die Technik der Rohrsanierung hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte
gemacht. War bis vor kurzem zum Ersetzen eines defekten Rohrs das
Aufgraben der Straße oder des Gehwegs notwendig, kommen moderne
Sanierungen
fast ohne Gräben aus (Grabungsarme
Rohrlegungen). Dennoch rückt die
Bereitschaftsgruppe des
Wasserwerks täglich im Durchschnitt zehnmal aus,
unter anderem
um Defekte im
Rohrnetz
zu beheben. |
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Im Wiener
Amtshaus gesichert hinter Alarmmeldern und wuchtigen Stahltüren,
befindet sich
die Lastverteilungszentrale. Hier schlägt das Herz der Wiener
Wasserversorgung, die gesamte Steuerung von Wiens Wasserbedarf funktioniert
per Computer. Auf Monitoren sind auf einem Blick die wichtigsten Daten
abzulesen. Wie groß ist der Bedarf? Wie viel Wasser liefern die Quellen? Wie
voll sind die Behälter?
Das Netz der Wiener
Wasserversorgung ist auch gut bewacht. Sämtliche Einstiege
zum Wasser
sind elektronisch gesichert. Die neuralgischen Punkte sind von
Videokameras permanent überwacht. Sobald ein Tor zu einem
Wasserbehälter geöffnet wird, ertönt in der Steuerungszentrale ein
Alarmsignal. |
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Im Bereich der Quellengebiete
und der Fernleitungen werden von der MA 31 die Leitungstrassen mit einer
Gesamtlänge von rund 330 km sowie eine Vielzahl von Objekten und Nebenanlagen,
wie Brücken, Stege, öffentliche und private Straßen erhalten und anlässlich
regelmäßiger Begehungen kontrolliert.Aufgrund des großflächigen Quellschutzes
hat das Wasser
eine sehr hohe Qualität. Auf dem gesamten Weg des Wassers von
den Quellgebieten bis nach Wien werden laufend die wichtigsten
Qualitätsmerkmale überprüft. |
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Bei 15
Messstationen werden Daten zur Qualität des Wassers und der Luft
gesammelt, online in die
Steuerzentrale
übertragen und hier rund um die Uhr überprüft. Dabei werden neuartige
Messgeräte nach dem Prinzip der Spektroskopie verwendet, die es
ermöglichen die Wasserqualität innerhalb von
Sekunden zu erfassen. Qualitativ nicht entsprechende Wässer werden
sofort ausgeleitet und gelangen somit nicht nach Wien. Das Trinkwasser wird,
bevor es in das Rohrnetz geleitet mit
Chlordioxid
desinfiziert, um der Verkeimung im mehr als 3200 km langen Rohrnetz
vorzubeugen. |
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Diese Maßnahme ist den Wasserwerken aus Gründen der hygienischen
Sicherheit vorgeschrieben. Die Dosierung erfolgt in minimalen Mengen und
beeinträchtigt den Geschmack nicht.
Durchgeführt werden die
hygienischen Überprüfungen des Wiener Leitungswassers durch das Institut für
Umweltmedizin,
Das
Institut für Umweltmedizin
prüft entsprechend der Vorgaben der Trinkwasserverordnung.
Die wichtigsten
Qualitätsparameter sind jederzeit auf der Homepage
www.wienwasser.at
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Die Härte von Wiens
Wasser differiert. Das Hochquellenwasser gilt mit seinen Werten zwischen sechs
und elf Grad deutscher Härte als weich, das Grundwasser kann bis zu vierzehn Grad haben,
was einer mittleren Härte entspricht.
Eine
Übersicht über die Wasserhärte der einzelnen Bezirke ist ebenfalls auf
www.wienwasser.at zu finden oder
telefonisch unter 59959-329 zu erfragen. Durchwahl 01 bis 23, je nach Bezirk. |
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Die ausgedehnten
Quellschutzgebiete der I. und II. Hochquellenleitung
sind vorzugsweise der Trinkwasserversorgung gewidmet und als Schongebiete
ausgewiesen. Das
karstige Gelände,
deren Fläche immerhin doppelt so groß ist wie die Stadt Wien
ist, darf nur
eingeschränkt für Landwirtschaft, Besiedlung und Tourismus genützt werden, und
wenn, dann nur unter genauen, strikt quellschützerischen Rahmenbedingungen.
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Um die
hohen Standards der Gewinnung des Wiener Wassers zu halten und eine
genauere Kenntnis der das Karstgrundwasser beeinflussenden Faktoren zu
gewinnen, wurde von den Wiener Wasserwerken ein internationales
Forschungsprogramm in den niederösterreichisch - steirischen
Kalkhochalpen initiiert. „Kater
II“, zusammengesetzt aus "Karst" und "Water", ein
von der EU mitfinanziertes Forschungsprojekt der Länder
Österreich, Slowenien, Kroatien und Italien,
wurde
2006 abgeschlossen. |
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