Umfeld
Die Stadtgemeinde Tulln wird ausschließlich mit Grundwasser versorgt. Dies erfolgt durch 2 Wasserwerke. Im an der Staasdorfer Straße im Süden der Stadt Tulln gelegene Wasserwerk I steht für die Wasserförderung ein Brunnen zu Verfügung. Das ursprünglich in den 60-er Jahren errichtete Wasserwerk I wurde 1999 erweitert und modernisiert. Für den Ausgleich zwischen der konstant erschroteten Wassermenge der Brunnen und den von der Tageszeit abhängigen Verbrauchsschwankungen im Gemeindegebiet sorgen zwei Tiefbehälter mit einem Fassungsvermögen von je 1.000 m³.

Das zweite Wasserwerk liegt nördlich der Donau, in der unberührten und Natur belassenen Tullner Au. Der Grundwasservorrat besteht aus dem so genannten Grundwasserbegleitstrom, welcher parallel zur Donau als Begleitstrom im eiszeitlichen Schotterkörper fließt. Die tiefen, eiszeitlichen Schotterablagerungen des Grundwasserstromes wirken dabei als zuverlässiger Filter. Die Erschließung des Trinkwassers erfolgte am Brunnenfeld II mit 2 Stk. baugleichen Horizontalfilterbrunnen.
Diese Brunnen bestehen aus einem dichten Schacht mit einer Tiefe von etwa 9 m. Im Bereich des Grundwassers wurden 8 Stk. Filterrohre je Brunnen mehrere Meter horizontal in den Grundwasserleiter vorgetrieben. Im oberen Teil des Brunnenschachtes ist ein Rohrkeller situiert, in dem die erforderlichen Armaturen untergebracht wurden. Da sich die beiden Brunnen im Hochwasserabflussgebiet befinden, war es notwendig, die Betonbauwerke bis über das Niveau des 500-jährigen Hochwassers mit Erdmaterial einzuschütten.
Wenngleich das neue Wasserwerk II dem renovierten Wasserwerk I sehr ähnlich sieht, erfüllen die beiden Werke doch sehr unterschiedliche Funktionen: Im Wasserwerk I erfolgt die Sicherheits-Wasserdesinfektion des im alten und auch im neuen Brunnenfeld geförderten Wassers umweltschonend mittels Ultraviolettlicht. Weiters ist dort die Mischung der beiden Wässer, die Zwischenspeicherung zur Abdeckung der Verbrauchsspitzen und die Pumpenanlage zur Versorgung des Leitungsnetzes mit konstantem Wasserdruck untergebracht. Im Wasserwerk II wird Eisen und Mangan aus dem Wasser des neu erschlossenen Brunnenfeldes II entfernt (Enteisenung und Entmanganung).
Erhöhte Konzentrationen von Eisen und Mangan treten allgemein in den qualitativ hochwertigen Auwässern häufig auf, die Entfernung dieser gesundheitlich unbedenklichen Stoffe aus dem Wasser ist jedoch mit vergleichsweise einfachen technischen Maßnahmen möglich. Das Rohwasser wird über die Anlage gepumpt. Der Aufbereitungsprozess beginnt in einer Mischstrecke, wo Eisen bzw. Mangan oxidiert. Das entstandene Oxyd wird dann in den Mehrschichtfiltern und Aktivkohlefiltern ausgefiltert.
Nach Durchlaufen der Aufbereitungsanlage gelangt das Wasser in einen Zwischenbehälter. Da das in der Au erschlossene Wasser möglichst schonend und gleichmäßig entnommen werden soll wurde ein Tiefbehälter mit einem Fassungsvolumen von 500 m³ errichtet. Außerdem dient der Behälter zur Überbrückung von Betriebsstörungen und zur Bereithaltung von Feuerlöschwasser (Hydranten). Im neuen Wasserwerk befindet sich eine vollautomatisch arbeitende Schaltzentrale zur Überwachung und Steuerung der beiden Brunnenfelder sowie der beiden Wasserwerke.
Das vom Norden Tullns herbeigeleitete Wasser aus dem neuen Brunnenfeld kann nun optional entweder direkt („online") mit Wasser aus dem bestehenden Brunnenfeld I vor Einspeisung in die Ortsnetze vermischt werden oder die Mischung erfolgt in den beiden Tiefbehältern des Wasserwerkes. Von der Gewinnung bis zum Wasserzähler gibt es einen langen Wasserweg. Das Rohrnetz der Tullner Wasserversorgung dient der Versorgung von ca. 15. 600 Einwohnern, umfasst 140 Kilometer Transportleitungen und zusätzlich 80 Anschlussleitungen.
Darüber hinaus wurde 1997 die Wasserverssorgung des Fliegerhorstes Langenlebarn - das „Hirn" der österreichischen Luftstreitkräfte - dem Wasserwerk Tulln anvertraut. Die Stadt in der Stadt - es sind immerhin mehr als 2.000 Personen im Stützpunkt beschäftigt - wurde ohne weiteres ans Netz angeschlossen! Die verwendeten Rohrleitungen sollen sowohl die quantitative Versorgung nach Menge und Druck als auch die weitgehende Beibehaltung der von der Wassergewinnung gelieferten Qualität des Wassers gewährleisten. Die verlegten Rohre bestehen je nach Einbaudatum aus Materialien wie Fazerzement (bis 1975) Grauguss (bis 1975) und Polyvinylchlorid (PVC) (ab 1975).
Die Dimensionen - derzeit von DN 80 bis 800 mm - werden je nach Bedarf bestimmt. Um die Wasserversorgungssicherheit zu garantieren ist das Verteilnetz als Ringleitungssystem aufgebaut. Bei Bedarf (Rohrbruch, Löscheinsatz) wird nur ein kleiner Rohrnetzteil abgeschiebert. Durch die zentrale Überwachungsanlage werden sämtliche Anlagen ständig überwacht und gesteuert. Dadurch ist es möglich, im Störfall rasch und effizient zu handeln. Um den langen Wasserweg von der Quelle bis zum Wasserhahn noch besser unter Kontrolle zu bekommen, hat das Wasserwerk Tulln Pioneerarbeit geleistet und zwar europaweit!
Die Mitarbeiter des Wasserwerkes haben in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern ein vorbildliches Qualitatsmanagement auf Basis des so genannten Wasser Sicherheit Plans (WSP) umgesetzt. In der gesamten Anlage bedient man sich einer Betriebsführungssoftware, um die einzelnen Anlageteile - von den Pumpanlagen, Leitungen bis hin zu den Knotenpunkten und Hydranten - hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit eines negativen Ereignisses sowie dessen möglicher Auswirkung und Häufigkeit zu beurteilen. Durch diesen Plan können alle sensiblen Punkte von der Wassergewinnung in den Brunnenfeldern bis zur Wasserentnahme in den Haushalten noch besser überwacht werden als bisher.
Potenzielle Gefahren für die Tullner Trinkwasserversorgung können in der modernen Schaltwarte frühzeitiger erkannt und bewertet werden und es kann sofort steuernd eingegriffen werden.Die Tullner Wasserqualität steht unter ständiger Kontrolle und wird regelmäßig von der eigenen Mannschaft überprüft. Weiters werden monatlich im Zuge der Eigenüberwachung neben anderen Parametern noch spezielle Nitratwertüberprüfungen durchgeführt. Darüber hinaus werden viermal jährlich Gesamtuntersuchungen aller Parameter von einer externen Prüfanstalt kontrolliert.
Hochwertiges Trinkwasser braucht auch eine intakte Umwelt im erweiterten Einzugsbereich. Der wirksame Schutz der Ressource Trinkwasser genießt höchste Priorität. Die Wasserschutzgebiete sind eingezäunt und werden genauso wie die Brunnen mit Video überwacht. Das Brunnenschutzgebiet des Wasserwerks I umfasst 10 Hektar und wurde im Laufe der Jahre aufgeforstet, so dass sich heutzutage inmitten von landwirtschaftlichen Ackerflächen ein bewaldetes Grundstück befindet. Die Wasserschutz- und -schongebiete (90 ha) rund um das Wasserwerk II im sensiblen Augebiet sind in Eigentum der Stadt. Diese sorgfältige Betrachtung der Umwelt und die sofortige Reaktionsmöglichkeit bei Störfällen und Präventivwirkung durch den WSP hat auch den ökologischen Nutzen empfindlich gesteigert.