Geschichte
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Wasserbedarf der Bevölkerung fast ausschließlich aus Hausbrunnen gedeckt. Bereits in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde an die Errichtung einer Gruppenwasserversorgung für das Gebiet des Triestingtales und der Südbahngemeinden zwischen Leobersdorf und Atzgersdorf gedacht. Im diesem Bereich entstanden im 19. Jahrhundert zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe.

Gleichzeitig entwickelte sich im Nahbereich von Wien aufgrund vieler Kurmöglichkeiten der Fremdenverkehr sehr rasch. Industrialisierung und Fremdenverkehr führten zu einem starken Anstieg des Wasserbedarfs, so dass dieser aus den örtlichen Wasservorkommen nicht mehr gedeckt werden konnte. Zwei Privatunternehmungen bewarben sich um Unterstützung des Niederösterreichischen Landtages und versuchten in verschiedenen Zeitungsartikeln, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Ein Unternehmen nannte sich „Wr. Neustädter Tiefquellenleitung" und beabsichtigte südlich von Wiener Neustadt Brunnen zu errichten, das zweite Unternehmen nannte sich „Kaiser-Jubiläums-Hochquellenwasserleitung" oder „Marientaler Hochquellenwasserleitung" und sah die Erschließung von Quellen im Further Tal und rund um das Kieneck vor. Das erste Unternehmen beabsichtigte die Versorgung nahezu sämtlicher Gemeinden zwischen Wiener Neustadt und Mauer, die Ostgrenze des Versorgungsgebietes sollte die Stadt Schwechat bilden.
Die Gesamteinwohnerzahl dieser Orte wurde mit 186.000 angegeben. Das geplante Versorgungsgebiet der „Marientaler Hochquellenwasserleitung" war mit dem oben genannten nahezu identisch, es kamen jedoch die Triestingtal-Gemeinden noch hinzu. Die Einwohnerzahl wurde mit zirka 210.000 berechnet. In diesen Zahlen sind die Städte Baden und Mödling nicht mehr enthalten, obwohl ursprünglich vorgesehen war, auch diese in das Versorgungsgebiet einzubeziehen. Da jedoch keine Aussicht auf Durchführung eines dieser Projekte bestand, erwarb die Stadtgemeinde Baden im Jahre 1900 das Pumpwerk Ebenfurth und errichtete die erste Leitung Ebenfurth-Baden.

Im Jahre 1904 begann die Stadtgemeinde Mödling ebenfalls mit der Errichtung einer eigenen Wasserversorgungsanlage aus dem Raume Moosbrunn. Damit waren die Aussichten auf Durchführung eines der großen Projekte natürlich drastisch gesunken, obwohl beiden Unternehmen eine Konzession erteilt wurde .Als diese Projekte endgültig gescheitert waren, bemühte sich die Gemeinde Bad Vöslau um die Konzession und erhielt diese mit Entscheidung der k. u. k. Bezirkshauptmannschaft Baden vom 28. Februar 1917. Die Gemeinde Bad Vöslau erwarb gleichzeitig das Quellgebiet von den Konzessionären der Marientaler Wasserleitung, das Projekt wurde aber letztendlich nicht realisiert.
Daraufhin übernahmen die Gemeinden Atzgersdorf und Liesing die Initiative und reichten ein Gesamtprojekt ein. Dieses sah die Versorgung von 26 Gemeinden mit insgesamt zirka 90.000 Einwohnern vor. Da alle finanziellen Mittel am Kapitalmarkt aufgebracht werden mussten, wurde zur Sicherstellung des Darlehens von den beteiligten Gemeinden ein Konkurrenzverband (später Gemeindeverband) gebildet und hiefür im Jahre 1929 ein eigenes Landesgesetz erlassen. Quellfassungen, eine 52km lange Hauptleitung, 8 Hochbehälter und Ortsnetze für 19 Verbandsgemeinden wurden errichtet. Trotz des enormen Umfanges wurden die Bauarbeiten innerhalb von drei Jahren (1930-1932) durchgeführt.

1945 verursachten schwere Kämpfe und Brückensprengungen im Verbandsgebiet umfangreiche Zerstörungen an den Wasserversorgungsanlagen. Die Schäden wurden rasch ausgebessert, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Ab den fünfziger Jahren ging es dann rasant aufwärts. 1956 wird das Gruppenwasserwerk Enzesfeld, Leobersdorf und Hirtenberg in den Verband eingegliedert, 1957 auch die Gemeinde Sooß.1961 werden die Gemeinden Schönau, Günselsdorf, Teesdorf, Tattendorf, Oberwaltersdorf, Trumau und Großau Verbandsgemeinden.
Im selben Jahr erhält der Verband von der Republik Österreich das Pumpwerk Blumau. Die Gemeinde Lindabrunn wird 1965 Verbandsgemeinde. Um mit dieser rasanten Expansion mithalten zu können, wurde dann kräftig in die Infrastruktur investiert. Zwischen 1967und 1972 wird ein wichtiger Meilenstein in der Verbandsinfrastruktur gebaut, die Transportleitung Blumau-Traiskirchen-Vösendorf, unmittelbar danach der Hochbehälter Guntramsdorf. Eine andere wichtige Infrastrukturinvestition, die Transportleitung Wienerwald wird anlässlich der 50-Jahr Feier des Verbandes durch den damaligen Bundespräsidenten Dr. Kirchschläger in Betrieb genommen.

1980 werden Quellfassung und Pumpwerk Antoniusbrünnl errichtet. Die Gemeinden Laxenburg und Pfaffstätten werden 1983 Verbandsgemeinden, 1991 wird die Gemeinde Wienerwald Verbandsgemeinde. Um die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen werden innerhalb von 5 Jahren (1984-88) 4 Hochbehälter (Berndorf, Hirtenberg, Kottingbrunn und Weissenbach) errichtet. Die Versorgungsanlagen der Gemeinde Hernstein werden 1989 übernommen, 1992 die der Gemeinde Gaaden. Eine neue Außendienststelle wird in Traiskirchen eröffnet und das Verwaltungsgebäude in Bad Vöslau neu gebaut, damit - trotz der rasanten Expansion - auch die Servicequalität erhalten bleibt.
1996 werden 3 neue Wasserbehälter (Leobersdorf, Enzesfeld und Lindabrunn) gebaut und der Sternbrunnen in Steinhof/Berndorf errichtet. 2004 feierte der 75 Jahre junge Wasserleitungsverband der Triestingtal- und Südbahngemeinden nicht nur Jubiläum sondern tätigte weitere Investitionen um die Versorgungssicherheit garantieren zu können. Lager, Werkstätte und Garage werden umgebaut die gesamte Nutzfläche aller neu errichteten Gebäude beträgt 2.918 m². In Gaaden wird ein neuer Hochbehälter mit 2500 m³ Volumen errichtet.
Unerschütterlich wird auch das 925 km lange Leitungsnetz - mit modernster Technik saniert. Die Technik der Rohrsanierung hat tatsächlich in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. War bis vor kurzem zum Ersetzen eines defekten Rohrs das Aufgraben der Straße oder des Gehwegs notwendig, kommen moderne Sanierungen fast ohne Gräben (Grabungsarme Rohrlegungen) aus. 2009 feiert der Wasserleitungsverband, das weitaus älteste großräumige Wasserversorgungsunternehmen Österreichs, sein 80-jähriges Jubiläum und kann - auch im Zeitalter des Klimawandels - optimistisch in die (Trinkwasser-) Zukunft blicken.